Gesellschaft

Die korrumpierte Gesellschaft

Wie geht es den Menschen, die in den Betrieben arbeiten? Wie den Partner, Familien, Angehörigen, Freunden und übrigen Abhängigen? Wie den Kommunen, Behörden, Medien, Kirchengemeinden, Handwerksbetrieben, Einzelhändlern, Bildungs-, Kultur- und sozialen Einrichtungen? Sie alle haben direkt oder indirekt mit den Betrieben und den Menschen dort zu tun.

Die Eliten suchen, finden und pflegen die Kontakte untereinander. Die Kommunen rollen wegen hohen Steuereinnahmen die roten Teppiche aus. Die Behörden gehen behilfreich zur Hand und "machen die Wege frei". Die Bildungseinrichtungen geben sich aufgeschlossen und unkritisch in Erwartung auf Kooperationen, personelle und materielle Unterstützung. Die Kirchen geben sich mild und rücksichtsvoll, um ihre wenigen Mitglieder nicht gegen sich aufzubringen. Handwerker und Händler halten sich bedeckt, um nicht negativ  aufzufallen und Aufträge aus den Betrieben zu verlieren. Und die sozialen Einrichtungen und Vereine verhalten sich wohlgefällig, den sind nicht die großen Betriebe auch großzügige Spender? Freunde und Nachbarn klammern das Thema Rüstung aus, des nachbarschaftlichen Friedens willen.

 

Wenn wir's nicht machen, machen's die Andern!

Dieser Argument ist eines der beliebsten. Viele Mitarbeiter*innen in den Rüstungsbetrieben fühlen doch ein gewisses Unwohlsein angesichts ihrer tödlichen Produkte. In Gesprächen wiegeln sich schnell etwaige (christlich-ethisch-moralische) Vorwürfe einer Mittäterschaft ab. Sie verstellen sich bewusst oder unbewusst den Blick auf das Ganze, stellen ihren Teilbeitrag eher als unwesentlich oder gering hin. Eine Mitschuld und Mitverantwortung wird abgewiegelt oder höheren Autoritäten zugeschoben. Argumente wie nachstehend sind immer wieder zu hören.

 

Klicken Sie auf die Sprachblase und lesen Sie unsere Gegenargumente.

Der Tod ist ein Meister vom Bodensee

Aus dem Geschehen nichts gelernt. Trotz zweier verlorener Kriege im 20.Jahrhundert mit 80 - 90 Millionen Toten und den schrecklichsten Erfahrungen eilten die eben Geschlagenen, mit der Wiederaufrüstung der Bundeswehr Anfang der 1950er Jahre, zurück in die zerbomten Firmen, in die Schöße der alten Familien, und bauten sie wirkungsmächtig und einflussreich wie zuvor wieder auf. Aus dem Geschehenen nichts gelernt. Ein Reset der Kriegsmaschinerie, mehr nicht. Die Wiederaufrüstung der Bundeswehr im Rahmen der NATO und die "neuen Feinde" verlangt nach Massen neusten Waffen. Die Politik und Regierungen machen den Wege frei. Der Export blüht.

Der Tod vom Bodensee befeuert wieder Kriege, Mord,  Zerstörung, Flucht und Vertreibung in vielen Teilen der Welt. 

Was tut das mit dieser Gesellschaft?

 

Ich will keine Scherereien: Nix Hören - Nix Sehen - Nix Wissen = Nix Sagen!

Ob bei Nachfragen bei Behörden, bei Gespächen mit Mitarbeiter*innen der Rüstungsfirmen oder bei Diskussionen auf der Straße, immer ist eine große Zurückhaltung nach dem Motto: Nix Hören - Nix Sehen - Nix Wissen - Nix Sagen bei Nachfragen  zu spüren. Die Angst irgend etwas Geheimes (?) auszuplaudern, in einen irgend welchen Verdacht zu geraten, etc. und die Angst vor Repressalien ist allgegenwärtig.

Die Krake Rüstungsindustrie verschlingt (fast) alle

Die Rüstungsbetriebe -als größte oder bedeutende Arbeitgeber und Steuerzahler- haben größten direkten und indirekten Einfluss auf alle Bereiche des politischen und gesellschaftlichen Lebens der Region. Die politischen und gesellschaftlichen  Repräsentanten rollen ihnen die "Roten Teppiche" aus, kommen ihren Wünschen gerne entgegen, vermeiden laute Kritik und räumt Widerstände hilfreich beiseite. Andererseits betreiben die Betrieb gesellschaftpolitische Landschaftspflege und zeigen sich als Sponsoren, etc. gerne erkenntlich. Man zeigt sich erkenntlich. Eine Hand wäscht die andere. Das Ergebnis ist ein bleiernes: Nix Hören - nix Sagen - nix Sehen = nix Wissen!

 

Ich baue ja keine Waffen. Ich bin, mache, arbeite doch nur....?

Bei vielen Beschäftigten in den Rüstungsbetrieben ist vordergründig keine oder kaum Einsicht über den problematischen Sinn und Zweck ihrer Arbeit und die von ihnen hergestellten Produkte erkennbar. Handelt es sich dabei um eine Bewussts-spaltung? Sie stellen ihre Arbeit als gleichwertig mit jeder anderen zivilen Erwerbsarbeit zum Bestreiten ihres Lebensunterhalts und dem ihrer Familien dar. Ist es fleischliche Trägheit, mangelndes geistiges und moralisches Bewusstsein oder Desinteresse hinsichtlich der Verwendung und Sinnhaftigkeit der von ihnen hergestellten Produkte. Würden sie diese wahrnehmen, müssten sie als ethisch-moralische Wesen jedes weiteres Engagement verweigern.

Nachstehend die übliche Parzelierung ihrer Rollen im Betrieb auf diesbezügliche Fragen:

Wie kam die Rüstungsindustrie an den Bodensee

Mit dem Ex-Militär Ferdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin und seiner Bessenheit "Luftschiffe" zu bauen, kam Ende des 19.Jahrhunderts die Rüstung an den Bodensee. Die Zeppeline waren von Anfang an ein militärisches Projekt. Schon vor dem 1.Weltkrieg begann die Rüstungsproduktion in Friedrichshafen. Zwischen 1914 und 1918 warfen ca. 90 Militär-Zeppeline über 200 Tonnen Bomben auf europäische Städte. Lange Jahre verursachten diese riesigen "Zigarren" sie Angst und Schrecken über den Städten "der Feinde".

Aus Zeppelin entstanden neue Firmen wie: Maybach (Motoren) -heute Rolls-Royce Power Systems/MTU-; ZF-Zahnradfabrik Friedrichshafen (Getriebe-Transmissionen) oder Dornier (Flugzeuge)- heute Airbus Defence & Space. Der Versailler Friedensvertrag 1919 brachte eine kurze Unterbrechung. Dornier produzierte trotzdem in Italien, Spanien und der Schweiz weiter. Das Nazi-Regime brachte nach 1933 mit seiner gewaltigen Aufrüstungs-programmen für den 2.Weltkrieg Friedrichshafen einen zweiten enormen Aufschwung. Mit Flugzeugen, Motoren, Getrieben, etc. wurde die Region zu einem der kriegswichtigsten Standorte. Das musste die Bevölkerung teuer bezahlen. Friedrichshafen war zu Kriegsende zur Ruinenstadt zerbombt. Tausende Einheimische, Fremd- und Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge fanden den Tot und/oder wurden obdach- und heimatlos.